Jugendlexikon
20. Oktober 2007 von Dr. Kai-Uwe Hellmann
Die meisten Internet-Beiträge stammen von unter 20-jährigen
Ein Beitrag von Claudio Gutteck in der Süddeutschen Zeitung vom 19. Oktober 2007
Was wird heute nicht alles umgedreht. Werteskalen, Bevölkerungspyramiden und auch Geschlechterverhältnisse (angeblich). Sogar ein mindestens zweitausendjähriger Stamm- und Leitsatz wie der, daß die Jungen von den Alten viel lernen können, wird schwer erschüttert.
Schon 81 Prozent der Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren hocken heute vorm Computer. Folglich werden es immer seltener Oma und Opa sein, die den goldenen Schlüssel zu ihren Erfahrungsschätzen aushändigen, so ihnen nur aufmerksam zugehört wird. Vielmehr wird Wissen heute meist fix aus dem Internet gefischt. Genauer, aus dem Web 2.0, dem Mitmach- und Partizipativ-Netz. Für dessen Inhalte sorgen, wie sich denken läßt, vor allem die Jugendlichen. Genutzt wird dieses Wissen überwiegend von den Älteren: Zwei Drittel der Älteren sind über dreißig, wie TNS infratest ermittelt hat.
Beispiel Wikipedia. Zwar hätte man angesichts der oft täppischen Ausdrucksweise in dieser Enzyklopädie schon etwas ahnen können - wer aber hat gewußt, daß ein Drittel der Beiträge dort von Schreibern stammt, die noch keine zwanzig Jahre alt sind? Die Hand der Jugend, sie hat mitgeschrieben, wo immer einer aus dem Web 2.0-Quell geschöpft hat; also fast überall.
Noch deutlicher wird die Wissensverkehrung bei den Blogs. 41 Prozent der Blogbesitzer sind jünger als zwanzig Jahre. Die Blog-Leser sind deutlich älter, 35 Prozent sind über vierzig Jahre alt, nur 20 Prozent unter zwanzig.
Wenn es stimmt, was die Uni Leipzig herausgefunden hat, dann bilden sich zwei Drittel der Leser von Blogs über diese weiter. Was das für eine Bildung ist, wäre eine eigene Untersuchung wert, da die Blogs am häufigsten als Tagebuch geführt werden.
Ich komme eben durch einen dezenten Hinweis eines Webkollegen auf diesen Blog und sehe erfreut, daß die letzten Tage offenbar mehere Artikel eingestellt wurden.
Zu diesem obigen Beitrag muß ich allerdings anmerken, daß der SZ-Artikel der hier aufgeführt ist, gravierende Mängel aufweist und genaugenommen vollkommener Mist ist. Denn sowohl die infratest-Studie, als auch die Lesart von Claudio Gutteck ist so nicht zulässig.
Meine ausführliche Kritik findet sich hier
Danke für den Hin- und Verweis… übrigens habe ich in meinem Später-noch-zu-lesende-Zeitungsartikel-Haufen gerade einen sehr positiven Artikel über Blogs gefunden, und zwar von Jürgen Kalwa: “Die Königsmacher. Wie Amerikas Blogger politische Karrieren beeinflussen”, allerdings FAZ vom 21. August 2006, Nr. 193, S. 36